Entscheide auf zwei Ebenen
Eine eigene empirische Studie arbeitet mit selbst erhobenen Daten oder geeigneten vorhandenen Falldaten. Ein systematisches Review untersucht dagegen vorhandene Studien und führt deren Befunde nach einem vorab begründeten Vorgehen zusammen. Beide Wege brauchen eine klare Frage, methodische Entscheidungen und eine nachvollziehbare Auswertung.
Innerhalb einer empirischen Studie kannst du qualitativ, quantitativ oder mit Mixed Methods vorgehen. Ein Review kann ebenfalls unterschiedliche Arten empirischer Forschung einbeziehen, sofern Frage und Syntheseverfahren dazu passen. „Systematisches Review“ bezeichnet deshalb keine vierte Datenart. Im Kurs ist es ein eigener Lernpfad, weil sich Suche, Auswahl und Auswertung von einer eigenen Befragung oder Interviewstudie unterscheiden.
Methoden für eine empirische Studie auf einen Blick
Qualitative Forschung erschließt beispielsweise Erfahrungen und Bedeutungen. Quantitative Forschung untersucht messbare Merkmale, Verteilungen oder Zusammenhänge. Bei Mixed Methods kommt die geplante Integration qualitativer und quantitativer Teile hinzu. Erhebung und Auswertung begründest du jeweils gesondert. Die Beispiele sind eine Orientierung, keine vollständige Methodenlehre.
| Ansatz | Beispiele | Erkenntniszweck und Kernhinweis |
|---|---|---|
| Qualitative Zugänge | Leitfadengestütztes Interview, Fokusgruppe, Beobachtung, qualitative Dokumentenanalyse. | Erfahrungen, Deutungen oder soziale Praktiken erschließen. Die Erhebungsmethode legt das Auswertungsverfahren noch nicht fest; etwa Interview und qualitative Inhaltsanalyse sind unterschiedliche Entscheidungen. |
| Quantitative Zugänge | Standardisierte Befragung, Experiment, quantitative Sekundärdatenanalyse. | Merkmale messen, Verteilungen beschreiben oder Zusammenhänge untersuchen. Wirkungsfragen verlangen ein dafür geeignetes Forschungsdesign. Auch bei vorhandenen Daten musst du Messung, Auswahl und Eignung für deine Frage prüfen. |
| Mixed-Methods-Forschungsdesigns | Konvergent: Befunde zusammenführen. Erklärend sequenziell: quantitativ → qualitativ. Explorativ sequenziell: qualitativ → quantitativ. | Beide Zugänge für einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn verbinden: etwa Zahlen durch Interviews vertiefen oder aus qualitativen Einsichten ein Messinstrument entwickeln. Mixed Methods ist kein einzelnes Erhebungsinstrument; zwei Datensammlungen ohne begründete Integration genügen nicht. |
Vorhandene Studien systematisch auswerten
Bei einem systematischen Review legst du fest, welche Studien deine Frage beantworten können. Du suchst nachvollziehbar, prüfst die Eignung anhand begründeter Kriterien, beurteilst die methodische Qualität und führst die relevanten Befunde vergleichend zusammen. Eine Sammlung gut passender Artikel oder eine ausführliche Literaturübersicht erfüllt diese Anforderungen noch nicht.
Auch dieser Weg muss machbar sein. Eine Pilotrecherche klärt Begriffe, mögliche Treffer, vorhandene Reviews und den Zugang zu Volltexten. Du planst Zeit für Auswahl, Qualitätsbeurteilung und Extraktion ein. Eine Metaanalyse ist kein Pflichtbestandteil; die Art der Synthese folgt der Frage und der tatsächlich vergleichbaren Evidenz. PRISMA 2020 unterstützt die Berichterstattung und ist weder eine Durchführungsmethode noch eine Qualitätsskala.
Prüfe die Machbarkeit, bevor du dich festlegst
Ein Vorgehen muss zu deiner Frage und zu deinen tatsächlichen Möglichkeiten passen. Prüfe, ob du die erforderlichen Such-, Erhebungs- und Auswertungsverfahren mit angemessener Unterstützung beherrschen kannst. Ein klar begrenztes Vorhaben, das du sorgfältig umsetzt, trägt mehr als eine aufwendige Kombination, deren Teile du nicht ausreichend bearbeiten kannst. Weder Mixed Methods noch ein Review sind automatisch wissenschaftlich stärker oder leichter.
Verlasse dich bei einer eigenen Erhebung nicht darauf, dass schon genügend Menschen teilnehmen werden. Kläre früh, wer Aufrufe weitergeben darf, welche Zielgruppen erreichbar sind und welche Genehmigungen oder Einwilligungen benötigt werden. Beim Review prüfst du stattdessen fachlich geeignete Suchquellen, Bibliothekszugänge und erreichbare Volltexte. Halte Zusagen, offene Voraussetzungen und eine realistische Alternative fest, die du mit der Betreuung abstimmst.
Für konkrete Umsetzungsschritte kann SMART als freiwillige Planungshilfe dienen: Ziele sollen spezifisch, überprüfbar, erreichbar, relevant und zeitlich eingegrenzt sein. Beispielsweise: „Bis Freitag kläre ich die vorgesehenen Zugänge und dokumentiere Rückmeldungen sowie offene Anfragen.“ Das strukturiert die Arbeit, garantiert aber weder Teilnahme noch Literaturverfügbarkeit oder wissenschaftliche Güte. Die Frage und das Verfahren beurteilst du anhand fachlicher und methodischer Kriterien.
Leas BachelorarbeitLea entscheidet, welche Antwort sie erarbeiten möchte
Lea bespricht mit ihrer Betreuung zwei Arten der Datengrundlage. Mit einer eigenen Studie könnte sie Sucherfahrungen erschließen, einen Zusammenhang messen oder Befragung und Interviews verbinden. Mit einem systematischen Review könnte sie untersuchen, welche Zusammenhänge vorhandene empirische Studien berichten. Dazu muss sie zuerst prüfen, ob geeignete Forschung tatsächlich auffindbar und zugänglich ist.
Lea wägt Erkenntnisgewinn, Kenntnisse, Zugang und Zeit ab. Im Kurs begleiten wir jeweils eine von vier alternativen Untersuchungen. Die Reviewversion zeigt methodische Entscheidungen mit konstruierten Übungszeilen; sie gibt keine echte Literaturauswertung vor. Deine Auswahl bestimmt, welche Version du weiterverfolgst.
Welchen Weg möchtest du kennenlernen?
Du kannst eigene Daten erheben oder vorhandene Studien systematisch auswerten. Wähle einen Beispielweg und sieh, wie sich Leas Frage, Vorgehen und mögliche Antwort dazu verhalten.
Eigene Daten erheben
Du gewinnst Daten zu deiner Frage und wertest sie begründet aus.
Vorhandene Studien auswerten
Du suchst passende Studien, prüfst ihre Qualität und führst ihre Befunde zusammen.
Ein Review kann qualitative, quantitative oder gemischte Evidenz untersuchen. Welche Studien passen, ergibt sich aus der Reviewfrage.
Wie hängen die wahrgenommene Informationsqualität eines Instagram-Vereinsprofils und die Absicht einer Probetrainingsanfrage zusammen, und welche Erfahrungen helfen, unterschiedliche Antwortmuster zu verstehen?
Die Befragung richtet sich an 18- bis 25-Jährige mit aktueller Vereinssuche in der untersuchten Stadt. Bewertet wird das zuletzt innerhalb der vergangenen vier Wochen betrachtete Vereinsprofil; die aktuelle Absicht betrifft eine Anfrage bei diesem Verein in den nächsten vier Wochen. Anschließend interviewt Lea gezielt Personen mit unterschiedlichen Antwortmustern.
Welche Daten?
Zunächst standardisierte Befragungsdaten, anschließend Interviews mit gezielt ausgewählten Personen.
Welches Vorgehen?
Die erste Analyse steuert die Interviewauswahl. Lea führt die Befunde in einer gemeinsamen Darstellung zusammen.
Welche Antwort?
Sie kann Antwortmuster mit Interviewperspektiven verbinden. Die Verbindung erweitert die Einordnung, ohne einen Kausalnachweis zu schaffen.
Dein Beispielweg ist ausgewählt. Mit der nächsten Lektion beginnt seine konkrete Planung.
Wähle einen Beispielweg für den Kurs
Der Kurs zeigt vier konkrete Wege: Interviews mit qualitativer Inhaltsanalyse, eine standardisierte Befragung, ein erklärendes sequenzielles Mixed-Methods-Forschungsdesign und ein systematisches Review. Diese Beispiele decken nicht alle Verfahren ab. Sie machen die Entscheidungen innerhalb eines zusammenhängenden Vorhabens nachvollziehbar.
Mit deiner Auswahl folgen die Untersuchungseinheiten deinem Beispielweg. Exposé und gemeinsame Abschlusslektionen bleiben auch ohne Auswahl verständlich. Wenn sich deine Frage später verändert, kannst du den Weg gezielt über die Methodenanzeige ändern. Für deine eigene Arbeit begründest und dokumentierst du eine solche Änderung und klärst ihre Folgen mit der Betreuung.
Fachliche Grundlagen & Quellen
Die Quellen tragen die fachlichen Erläuterungen. Die Fundstellen helfen dir beim gezielten Weiterlesen. Die Fallgeschichte und ihre Beispieldaten sind eigens für den Kurs konstruiert.
- Universität Leipzig, Methodenportal (o. J.): Die Forschungsfrage (externe Quelle, neuer Tab)
- Universität Leipzig, Methodenportal (o. J.): Dokumentenanalyse (externe Quelle, neuer Tab)
- Kitzinger (1995): Qualitative Research: Introducing Focus Groups. BMJ 311, 299–302 (externe Quelle, neuer Tab)
- Kuckartz (2017): Datenanalyse in der Mixed-Methods-Forschung. Strategien der Integration von qualitativen und quantitativen Daten und Ergebnissen. KZfSS 69, Suppl. 2, 157–183 (externe Quelle, neuer Tab)
- Schneck (2020), Universität Stuttgart: Zeitmanagement beim wissenschaftlichen Arbeiten (externe Quelle, neuer Tab)
- Cochrane Deutschland Stiftung, IfEM, IMBI Freiburg, AWMF-IMWi & ÄZQ (2020): Manual Systematische Recherche für Evidenzsynthesen und Leitlinien, Version 2.1 (externe Quelle, neuer Tab)
