Analysiere erst die Teile, dann ihre Verbindung
Im quantitativen Teil beschreibt Lea die Antworten und untersucht den begründeten Zusammenhang. Sie prüft Messung, Verfahren und Aussagegrenzen. Die Interviews bearbeitet sie mit einer strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse. Ein Codierleitfaden enthält Definitionen, Ankerbeispiele und Abgrenzungsregeln. Lea erprobt die zunächst aus Frage und Literatur abgeleiteten Kategorien, ergänzt sie bei Bedarf begründet und prüft bereits codierte Stellen nach Änderungen erneut.
Die Verbindung entsteht auf mehreren Ebenen: Antwortmuster begründen die Auswahl der Interviewfälle, die erste Auswertung prägt offene Nachfragen und die abschließende Interpretation bezieht beide Befundarten aufeinander. Eine gemeinsame Darstellung, häufig Joint Display genannt, macht sichtbar, was sich ergänzt und wo Unterschiede ungeklärt bleiben.
| Antwortmuster der Befragung | Perspektive aus zugeordneten Interviews | Integrierte Einordnung |
|---|---|---|
| Hohe Informationsbewertung und hohe Kontaktabsicht | Eine interviewte Person beschreibt klare Angaben zum Einstieg als hilfreich. | Die Erzählung konkretisiert eine mögliche Bedeutung der positiven Bewertung in diesem Suchverlauf. |
| Hohe Informationsbewertung, geringe Kontaktabsicht | Ausgewählte Personen nennen unpassende Trainingszeiten oder Sorge vor Leistungsdruck. | Eine gute Informationsbewertung kann mit Hindernissen für den Kontakt zusammen auftreten. Welche Rolle diese Hindernisse in der gesamten Befragungsgruppe spielen, ist damit nicht gemessen. |
Leas BachelorarbeitDie Verbindung macht Leas Antwort genauer
Hätte Lea nur den positiven Zusammenhang aus der Befragung betrachtet, wäre eine einfache Empfehlung für bessere Profile naheliegend gewesen. Die Interviews lenken den Blick zusätzlich auf Bedingungen, die ein gutes Profil nicht aufheben kann.
Sie prüft auch, ob Aussagen wirklich zum jeweiligen Antwortprofil passen. Bei Widersprüchen untersucht sie unter anderem Unterschiede im Zeitpunkt, im Frageverständnis oder im Bezug auf verschiedene Vereine. Sie glättet die Unterschiede nicht zu einer scheinbar eindeutigen Geschichte.
Erkläre den Erkenntnisgewinn der Kombination
Zeige ausdrücklich, was die Verbindung zur Beantwortung der Frage beiträgt. Im Beispiel macht sie unterschiedliche Bedingungen sichtbar, unter denen eine ähnliche Informationsbewertung mit verschiedenen Absichten zusammen auftreten kann. Eine Interviewperspektive liefert damit eine mögliche kontextbezogene Erklärung, keinen nachträglichen statistischen Nachweis. Unpassende oder widersprüchliche Befunde werden ebenfalls berichtet und auf Unterschiede in Zeitpunkt, Messung und Deutung geprüft.
Die Begrenzungen beider Teile bleiben bestehen. Die zweite Phase macht eine selbst ausgewählte Befragungsstichprobe nicht repräsentativ. Interviews verwandeln eine Korrelation nicht in eine Wirkung. Die gezielte Auswahl kontrastierender Fälle erlaubt auch keine Schätzung, wie häufig eine im Interview genannte Erklärung unter allen Befragten vorkommt.
Was erst die Verbindung der Befunde erklärt
Sieh dir an, wie ein quantitatives Antwortmuster durch Interviews präziser eingeordnet wird.
Lea wählt nach der Befragung gezielt Interviewfälle mit unterschiedlichen Antwortmustern aus. Die folgende gemeinsame Darstellung – ein „Joint Display“ – stellt die beiden Datenarten zueinander in Beziehung.
Alle Muster, Aussagen und Deutungen sind konstruiert. „Hoch“ und „gering“ sind hier didaktische Gruppenbezeichnungen. In einer Studie müssten Auswahl und Grenzen der Gruppierung begründet werden.
| Muster der Befragung | Ergänzung aus dem Interview | Gemeinsame Deutung |
|---|---|---|
| Hohe Informationsbewertung · hohe Absicht | Trainingszeiten und Kontaktweg sind leicht auffindbar. | Praktische Orientierung bietet einen möglichen Deutungsansatz für das gemeinsame Auftreten. |
| Hohe Informationsbewertung · geringe Absicht | Der lange Anfahrtsweg macht einen Besuch unattraktiv. | Gute Profilinformationen allein reichen in diesem Fall nicht für eine Kontaktabsicht. |
| Geringe Informationsbewertung · hohe Absicht | Eine Freundin hat den Verein empfohlen und begleitet den ersten Besuch. | Eine persönliche Empfehlung bietet eine alternative Informations- und Vertrauensquelle. |
Hohe Informationsbewertung · hohe Absicht
„Ich konnte sofort sehen, wann ich kommen kann und wem ich schreiben soll.“
Das Interview macht nachvollziehbar, welche Art von Information die Person nützlich findet. Es liefert einen möglichen Zusammenhang aus ihrer Sicht. Daraus folgt kein statistisch geprüfter Vermittlungseffekt und kein Nachweis, dass die Information ihre Absicht verursacht hat.
Der zusätzliche Erkenntnisgewinn: Der Zusammenhang aus der Befragung erhält mögliche Erklärungen und begründete Einschränkungen. Abweichende Fälle werden einbezogen. Die Interviews „beweisen“ den statistischen Zusammenhang nicht; sie beantworten einen ergänzenden Teil der Forschungsfrage.
Für deinen nächsten Arbeitsschritt
Vorher klären
Beide Teile wurden jeweils angemessen ausgewertet; die vorgesehenen Verbindungen zwischen Fällen, Konstrukten oder Themen sind nachvollziehbar.
Gezielt vertiefen
Mit Betreuung besprechen
Welche Zeilen verbindet dein Joint Display inhaltlich? Was ergänzt sich, was widerspricht sich, und welche gemeinsame Schlussfolgerung ist dadurch begründet?
Fachliche Grundlagen & Quellen
Die Quellen tragen die fachlichen Erläuterungen. Die Fundstellen helfen dir beim gezielten Weiterlesen. Die Fallgeschichte und ihre Beispieldaten sind eigens für den Kurs konstruiert.
- Kuckartz (2017): Datenanalyse in der Mixed-Methods-Forschung. Strategien der Integration von qualitativen und quantitativen Daten und Ergebnissen. KZfSS 69, Suppl. 2, 157–183 (externe Quelle, neuer Tab)
- Mayring (2000): Qualitative Inhaltsanalyse. Forum Qualitative Sozialforschung 1(2), Art. 20 (externe Quelle, neuer Tab)
- Universität Hamburg/UKE (o. J.): EpiBioManual – Korrelation und Regression (externe Quelle, neuer Tab)
- Guetterman, Fetters & Creswell (2015): Integrating Quantitative and Qualitative Results in Health Science Mixed Methods Research Through Joint Displays. Annals of Family Medicine 13(6), 554–561 (externe Quelle, neuer Tab)
